Auftragsbilder mit Kaffee, vor allem Portraits, sind eigentlich meine Haupttätigkeit. In diesem Beitrag erzähle ich allerdings über eine Erfahrung als Buchillustratorin. Was schief ging, was gut gelang und warum es eine tolle Sache ist, mit einem Schriftsteller zusammen zu arbeiten.

Wenn wir ein fertiges Buch in der Hand halten, interessieren wir uns für die Geschichte, die sich in seinen Seiten verbirgt. Was uns meistens entgeht ist die Geschichte des Buches an sich. Wenn es sprechen könnte, wurden wir die schöne, spannende, mühsame oder lustige Geschichte unseres Buches bis zu seiner Geburt (Veröffentlichung) kennenlernen. Das Jugendbuch Die Sterne vom Goldenen See“ von Ricardo Eche kann leider nicht sprechen, also verrate ich euch ein wenig über seine Laufbahn – oder besser gesagt, über die Laufbahn seiner Illustrationen aus meiner Perspektive, weil ich das Glück hatte, damit beauftragt zu sein, die Bilder zu der Geschichte mit Kaffee zu malen. Wenn Du selbst malst oder zeichnest, findest Du dabei vielleicht einen nützlichen Tipp für Deine eigene Arbeit oder schöpfst Mut und traust Dich ebenfalls zum ersten Mal in die Welt der Bücherillustration.

 

Auf einmal landete ein Hilferuf in meinem Postfach. Ricardo Eche, Architekt, Coach, Sprecher, Synchronsprecher, Schauspieler, Regisseur, Eventmanager und darüber hinaus ein Freund von mir, fragte, ob ich die Illustration seines Buches „Die Sterne vom Goldenen See“ übernehmen könne. Bislang beschränkte sich meine Erfahrung mit Illustration auf das Zeichnen kleiner Herzen und kleiner Bären auf den Papierfetzen, die meine Kinder regelmäßig drohend in meine Richtung wedeln, verbunden mit der herrischen Aufforderung „mal mir was!“. Da ich Befehle nicht mag, bestrafe ich das schlechte Verhalten meiner Mädels regelrecht mit schlecht gezeichneten Herzchen und Bären. Also keine Vorzeige-Laufbahn für eine Illustratorin.

Aber die Bitte von Ricardo Eche war deutlich freundlicher. Und die Herausforderung, mit Kaffee zu illustrieren, hat mich gereizt. Mit der Mischtechnik von Kaffee und Acryl auf Leinwand und Papier habe ich schon lange Erfahrung. Also dachte ich mir, ich könne es mit den Illustrationen versuchen, es könne nicht so wild sein. Hätte ich weiter gedacht hätte ich schnell gemerkt, dass das, was ich mir da vornahm, ungefähr so war, als würde ein Zahnarzt eine Herzoperation übernehmen, weil er schließlich auch Arzt ist. Na ja, so schlimm ist das in meinem Fall natürlich nicht, aber Ihr versteht den Punkt, richtig?

Der Weg war zwar nicht immer gerade, aber es war ein schöner Weg und wir sind glücklich über das Ergebnis.

 

Das Jugendbuch „A estrela do lago dourado”

Mein Problem fing bereits mit der Thematik der Erzählung an. Die Geschichte handelt von einer selbstbewussten Prinzessin, Esperança, die unter einem magischen Zeichen zur Welt kam. Mittelalter, im Winter. Mit Prinzessinnen aus dem Mittelalter kann ich wenig anfangen. Mit dem Winter noch weniger.

Aber wir wollen das Ganze unvoreingenommen angehen. Es lohnt sich. Also, der Hausarzt des Königs wurde zufällig Zeuge der zauberhaften Erscheinung bei Eperanças Geburt. Als skeptischer Arzt sucht er Rat bei seinem Freund Arturo, einem Alchemisten. Der Freund führt ihn in die Magie ein und beruhigt ihn mit seinem Wissen. Die Zeit vergeht, die Prinzessin wächst. Als sie sechzehn wurde, schenkt ihr ihren Vater König Gustavo ein Schloss an einem See (wow!), das sie allerdings erst nach der ihrer Hochzeit bewohnen darf (oh, je…). Über dem See leuchtet ein geheimnisvoller Stern. Das Mädchen überzeugt den König davon, bereits einziehen zu dürfen (yes!), während sie sich einen Mann aussucht (das wird dauern…). Die Suche ist nicht so leicht und Esperança hat eh keine Lust auf Ehe. Während eines Ausritts durch den Wald mit ihrem Pferd Trenyo trifft die Prinzessin eine alte Frau, Lucrécia de Montemar. Diese verwandelt das Mädchen in einem Monster. Warum sie das tat und wie Esperança aus der Nummer herauskam, werde ich natürlich nicht verraten.

Eine Geschichte mit Kaffee

Nachdem ich das Buch „A estrela do lago dourado” gelesen habe, schickte mir Ricardo Eche genauere Informationen zu seinen Wünschen bezüglich der bildlichen Darstellung der Figuren, die in der Geschichte vorkommen: Esperança, Arturo, Gabriel, Trenyo, der König Gustavo…. Ein Autor kennt seine Charaktere ganz genau. Also reicht es nicht, sich grob an der Vorstellung von einer entschlossenen, emanzipierten Prinzessin zu orientieren, um Esperança – der Hauptfigur – eine Form zu geben. Arturo, Lucrécia und alle anderen waren schon ausgereifte Existenzen im Kopf des Autors. Ich musste sie da herausholen und sie mit Kaffee auf dem Papier Form annehmen lassen.

Als Hilfestellung schickte mir Ricardo Eche einige Skizzen der Handlungen, die dargestellt werden sollten:

Anhand dieser Skizzen fertigte ich erste Bleistiftzeichnungen an. Hier zum Beispiel die Szene, in der das Pferd Trenyo über den Markt galoppiert und Chaos verursacht:

Die erste Idee war nur ein Grundgerüst anhand dessen wir die Komposition konkreter besprechen konnten: Wo soll der Brunnen hin, wie soll die Stadt im Hintergrund aussehen, wie groß sollen die Figuren sein, stimmt die Anordnung der Hauptelemente…

 

In Skizze Nummer zwei wurden die Figuren hin und her geschoben, die Architektur bekam genauere Konturen.

In der dritten Skizze kamen die Details hinzu.

Diese Vorzeichnungen waren das Gerüst, auf welches wir das Bild gebaut haben. Stets im Gespräch mit dem Autor wurden diese Zeichnungen so lange geändert, bis sie seinen Vorstellungen entsprachen. Manchmal benötigte die Zeichnung nur ein paar Veränderungen, manchmal wurde sie komplett aussortiert, wir fingen von Neuem an, ergänzten, löschten…. bis das Bild zufriedenstellend war. Erst dann war ich dran mit der Kaffeemalerei. In dieser Phase war es auch noch möglich, kleine Veränderungen vorzunehmen.

Hier beispielsweise zunächst die Bleistiftzeichnung.

Dann kam die erste Schicht Kaffee. Sie wurde dünn aufgetragen, so dass Veränderungen immer noch machbar waren.  Hier sehen wir beispielsweise, wie die Soldaten im Hintergrund verschwinden mussten, weil sie in der Geschichte in diesem Moment eigentlich gar nicht dabei waren.

Zum Schluss wurden noch Lichter und Schatten ausbalanciert und pronto! – die Illustration war fertig.

Hört sich leicht an? Dann hat sich das falsch angehört. Hin und wieder zog sich die Fertigstellung einer Zeichnung in die Länge. Schriftsteller sind ja auch Künstler und deren Ideen einzufangen, verlangt Ausdauer, Geduld – und jede Menge Tafeln Schokolade.

Am Beispiel der Szene, in der die Hexe Lucrécia Prinzessin Esperança in ein Monster verwandelt, kann man sehen, wie es manchmal nötig ist, sich mühsam heranzutasten, bis das Bild im Kopf des Autors die richtige Form annimmt.

Wie beim Kinderspiel „Blinde Kuh“ folgte ich den Anweisungen und versuchte Richtung „heiß“ zu gehen. Ricardo Eche steuerte meine Schritte: „Nein, sie muss Drachen- und keine Froschbeine haben. Der Schwanz muss auch weg.“ Frosch weg, Drache her:

 

„Der Stoff muss weg.“

Ok. Stoff weg:

 

„Sie muss mehr zum Monster werden.“

Alles klar, sie wird zum Monster:

„Zu dünn.“

Dann mäste ich sie:

 

„Zu dick.“

Abgespeckt:

„Ja, jetzt sind wir fast da…“

Ich taste mich weiter heran…

„Genau, so habe ich mir das vorgestellt!“

Top!

Am Ende, als Ricardo Eche zu mir sagte „Der Monster sieht scheußlich aus!“ nahm ich das als Kompliment an und wir erklärten das Bild für gelungen.

 

Wichtig war es auch, nach Inspirationen zu suchen. Stundenlang sah ich mir Arbeiten anderer (toller!) Künstler im Internet an, um mir ein Bild sowohl von der Atmosphäre als auch von den Details wie Mode, Architektur, Werkzeuge usw. aus der Zeit des Mittelalters zu machen. Dabei darf man nicht den eigenen Stil aus den Augen verlieren. Die Unmenge an kreativen Illustrationen, die im Web sind, können uns leicht dazu verleiten, uns von der eigenen Handschrift zu entfernen. Einflüsse sind zwar gut, sollten aber besser nicht die Oberhand gewinnen. Unser ‚Alleinstellungsmerkmal‘ sollte uns nicht abhandenkommen. Stellt euch vor, van Gogh und Kandinsky hätten immer nur Leonardo da Vinci nachgeahmt. Langweilig. Vielfalt ist auch in der Kunst immer das Beste.

 

Fazit

Vielleicht stellt man sich nach diesem Bericht die Frage: Was ist aber mit der künstlerischen Freiheit? Wenn der Autor einem im Nacken sitzt und bei jedem Strich seinen Senf dazu gibt, fühlt man sich nicht total eingeschränkt? Für mein persönliches Empfinden ist die Antwort auf diese Frage ein deutliches „Nein“. Im Gegenteil: Es ist, als hätte man anfänglich einen Samen im Kopf und jedes Mal, wenn man sich mit dem Autor austauscht, ist es so, als ob dieser Samen gegossen und gedüngt würde. Die Ideen wachsen, verzweigen sich und zeigen absolut unerwartete Früchte. Ricardo Eches Kopf sprudelt vor lauter Ideen. Es ist eine Bereicherung, nicht nur in der eigenen Fantasiewelt herumzuschlendern, sondern sich durch die irren und wirren Wege fremder Gedanken zu wagen.

 

Es machte großen Spaß sich der Herausforderung zu stellen, die fantasievolle Welt des Autors zu ergründen und in eine Serie Kaffeebilder zu übersetzen. Ricardo Eche erfand mit seinem Jugendbuch „Die Sterne vom Goldenen See” einen magischen Ort, in den es sich lohnt, einzutauchen.

So kamen also die Illustrationen seines Buches zur Welt.

Ricardo Eche

Schau Dir auch das Buch an. Es ist erhältlich bei Amazon oder bei der Haikai Editora https://haikaieditora.com.br/produto/a-estrela-do-lago-dourado/  Um mehr über Ricardo Eche zu erfahren, folge ihm auf Instagram @ricardoecheoficial .

Und wenn Du mehr über Kaffeemalerei erfahren willst, lies auch den Beitrag „In 3 Schritten ein einmaliges Kaffee-Geschenk malen!“ um selbst ein Kaffeebild mit Collage zu machen oder „Geschenkidee für Kaffeeliebhaber“ um ein Kaffeeportrait zu bestellen.

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