In diesem Gastbeitrag stellt sich der Künstler Sidnei de Oliveira vor und erzählt, wie er dazu kam, gebrauchte Kaffeefilter in Kunstwerke zu verwandeln.

Warum habe ich nicht vorher daran gedacht?

„Dies ist wahrscheinlich die Frage, die Du Dir stellen wirst. Entspann Dich! Wir werden das gemeinsam herausfinden!

Vor Jahrhunderten wurde der Kaffee entdeckt, überquerte Grenzen, stellte Tabus auf und zerstörte sie, wurde von Religionen als Rauschmittel oder Medizin genutzt und stand am Beginn und am Ende vieler historischen Momente. Heutzutage kommt er ganz unbedarft auf unserem Tisch an und gleichzeitig so unabdingbar, dass keiner sich richtig Gedanken über seinen Weg hierhin macht.

Manche glauben, dass das Leben der Kaffeebohne auf der Plantage beginnt und in der Kaffeetasse endet. Jahrelang glaubte ich selbst auch daran, aber jetzt nicht mehr.

Mal warm und dampfend, mal kalt und mit Eiswürfeln – immer bringt er uns zu dem Gedanken: “Das war genau das, was ich brauchte”.

Im Jahr 1908 erfand Melitta Bentz eine schonende Methode, Kaffee zu brühen.

Heute kennen wir alle den Kaffeefilter aus Papier und ausgerechnet er wir uns die Antwort auf die eingangs gestellte Frage liefern.

In dem historischen Moment, in dem wir uns befinden, haben einige Familien, die im selben Haus wohnen, öfters die Gelegenheit, morgens am Frühstückstisch zusammen zu sitzen.

Es war an einem Samstagmorgen, an dem meine Verbindung zum Kaffeefilter und zur Kunst entstand.

Immer nachdem meine Mutter morgens den Kaffee aufgegossen hatte, entsorgte sie gewöhnlich den Filter. Außer an jenem Tag!

Bis heute kenne ich den Grund nicht, aber der Filter blieb vergessen auf dem Tisch liegen. Zwischen zwei Gesprächen nahm ich spontan den Filter, entfernte den restlichen Kaffeesatz und fing damit an, ihn zu falten.

Der Kaffee war aufgetrunken, das Gespräch war beendet und jeder kümmerte sich weiter um seine eigenen Aufgaben.

Ich hätte mich auch um meine Sachen gekümmert, wenn die Umstände nicht, sagen wir mal, „besonders“ gewesen wären.

Vor Jahren fesselte mich ein tragisches Ereignis an einen Rollstuhl, weshalb alle meine Tage für eine lange Zeit gleich wurden.

Aber zurück zum Falten des Kaffeefilters: Nach einigen Tagen routinierten Kaffeetrinkens stellte ich zahlreiche kleine Filter-Vierecke nebeneinander, woraus mein erstes Bild entstand. Es hängt immer noch bei mir. Es ist nicht das schönste, aber es ist mein Lieblingsbild.

Bild mit Kaffeefilter
Sidnei de Oliveira

Die Kaffeefilter bei uns zu Hause waren nicht mehr ausreichend, deswegen halfen auch Freunde, Nachbarn sowie Verwandte und der Rohstoff meiner Werke entstand zur Tausenden.

Jeder trink seinen Kaffee anders: stärker oder schwächer, mit oder ohne Zucker, raffinierter oder einfacher. Deshalb hat jeder gebrauchte Filter ein eigenes Muster, das erst in der letzten Phase des Entstehungsprozesses des Werks zum Vorschein kommt.

Nachdem der gesamte Kaffeesatz entfernt wurde, suche ich diejenigen mit dem prägnantesten Muster für das zentrale Bild im Vordergrund aus. Kein Filter wird entsorgt.

Es war interessant und erfüllend zu merken, dass alle Menschen, die dabei geholfen haben, gebrauchte Filter zu sammeln, zu einer Gruppe wurden, die Recycling und  Nachhaltigkeit ohne große Mühe, ohne Werbung lebten. Morgens Kaffee zu trinken, hatte nun einen weiteren Zweck, der genauso wertvoll war wie der Genuss des Kaffees selbst.

Atelier Sidnei
Gemälde mit Kaffeefilter

Umweltbewegungen erwecken bei uns das Bewusstsein für die Bedeutung von Recycling. Die Tatsache, dass die Werke eine immer breiter werdende Resonanz in der Welt des brasilianischen Kaffees bekommen, widerspiegelt die Sorge mit dem verantwortlichen Umgang mit dem Kaffeefilter als Abfall. Egal ob fein oder schlicht, dein Kaffeegenuss ist zwingend, muss aber nicht mehr dann enden, wenn die Tasse leer ist.

Meine Leinwände werden immer größer und die Wände im Wohnzimmer sind zu klein für so viele Bilder. Es freut mich mit anderen das zu teilen, was für mich als eine Rettung in der Not begann und mich von einer möglichen Depression bewahrte.

Trotz der Covid 19 Pandemie, und natürlich mit allen notwendigen Sicherheitsmaßnahmen, gelang es mir meine erste Ausstellung in São Paulo zu veranstalten, mit der Unterstützung von @cafemercadodavila_oficial.

Ich bedanke mich bei allen, die an mich glaubten und mir dabei halfen hier zu sein, um mit euch meine Geschichte zu teilen. Bei Colégio Lumbini, Suzano – SP, der mir einen Stand in der Feira de Ciências zur Verfügung stellte. Bei Otávio vom O’coffee BRASIL, wegen der Ausstellung auf seiner Farm in Pedregulho. Aber auch bei meiner Familie, bei meinen Freunden und Nachbarn. Ihr seid klasse!

Aber warum habe ich nicht früher daran gedacht? Das weiss ich selber nicht. Ich kann nur sagen, dass es möglich ist, Abfall in Kunstwerke zu verwandeln. Beim Falten eines Kaffeefilters, habe ich meine Technik entdeckt. Du kannst auch deine entdecken.

#comeceadobrar

Alle hier abgebildeten Werke wurden ausschließlich mit Kaffeefiltern aus Papier und weißem Kleber gemacht und sind Teil meines privaten Bestands, der aktuell im @cafemercadodavila_oficial ausgestellt werden. Manche Arbeiten können unter der Adresse Rua Inácio Pereira da Rocha, 264, Vila Madalena, São Paulo – SP oder direkt bei mir (@robiney31) erworben werden.“

Sidnei Robinson de Oliveira

São Paulo – Brasil.

Möchtest du mehr über die Kunst von Sidnei wissen? Schau im Blog von Ensei Neto vorbei und lies den Artikel „Um café para dividir„. Oder wirf einen Blick auf dem Video bei Globo.com über sein Leben und seine Arbeit.

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